Willkommen in meinem Blog! Hier geht es um Musikerinnen. Vor allem um Frauen, die ihre Musik selbst machen, das heißt selbst schreiben und selbst spielen. Ich stelle bekannte Künstlerinnen vor und weniger bekannte, Hauptsache tolle Musik. Vorschläge sind jederzeit willkommen!





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Donnerstag, 15. November 2012

Musikgeschichte: Alice Samter



Alice Samter war eine deutsche Komponistin. Sie wurde 1908 in Berlin geboren und starb 2004 ebenfalls in Berlin. Im Alter von neun Jahren erhielt sie Klavierunterricht und begann mit ersten Kompositionsstudien.
Sie machte eine Ausbildung als Buchhalterin und arbeitete ständig, um ihre Beschäftigung mit der Musik zu finanzieren. Ab 1930 intensivierte sie die Musikausbildung durch Studien bei der Pianistin Else Blatt, danach bei Amalie Iwan und Prof. Stark am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium.
Bei Gerhard F. Wehle studierte sie Improvisationen, bei Karl Ristenpart Chorleitung. Diese qualifizierten Vorstudien verhalfen Alice Samter zur Hochschuleinstufung ins 8. Semester und nur ein Jahr später, 1946, schaffte sie das Examen zur Musikpädagogin an Höheren Schulen.
30 Jahre lang war sie Musiklehrerin an einer Berliner Schule, für die sie auch mehrere Schulopern komponierte. Erst nach ihrer Pensionierung konzentrierte sich Alice Samter ganz auf ihre Kompositionen.
Sie trat in mehrere Verbände ein, um den Kontakt zu anderen Künstlerinnen zu finden und zu vertiefen. Dies sind die GEDOK Berlin (interdisziplinäre Gemeinschaft der Künstlerinnen), der Internationale Arbeitskreis Frau und Musik in Kassel und die ILWC ( International Leage of Woman Composers) in den USA.
Durch ihren äußerst bescheidenen Lebensstil sparte die Künstlerin ihr Vermögen an, um den künstlerischen Nachwuchs zu unterstützen. So wurde 1999 die Alice-Samter-Stiftung an der Hochschule der Künste in Berlin gegründet. Die Stiftung unterstützt bedürftige junge MusikstudentInnen der Hochschule, die alle zwei Jahre ein Konzert mit Werken der Komponistin veranstalten.
Nach 95 arbeitsreichen und engagierten Jahren starb Alice Samter 2004 in ihrer Heimatstadt. Sie hinterließ ein umfangreiches Werk, das neben einer großen Anzahl von Kompositionen in kleinen Besetzungen auch Bühnenwerke enthielt, wie die Schule der Witwen nach Jean Cocteau oder Die Nachtwache nach Texten von Nelly Sachs. Lieder auf Texte von Else Lasker-Schüler, Aldona Gustas, Hilde Domin und Ingeborg Bachmann deuten auf ihr starkes Interesse an Frauenliteratur ihrer Zeit, ebenso gibt es eine Reihe von Werken, die durch Gemälde oder Skulpturen von Kolleginnen inspiriert wurden.






                                                                        


                                                                             

Dienstag, 17. Juli 2012

Musikgeschichte: Alma Mahler-Werfel



Alma Mahler-Werfel war eine österreichische Komponistin. Sie wurde 1871 als Alma Schindler in Wien geboren. Ihr Vater war der bekannte Landschaftsmaler Emil Jakob Schindler, ihre Mutter war eine ausgebildete Sängerin. Schon als junges Mädchen hatte sie durch ihre Schönheit eine große Anzahl Verehrer. So machte ihr u.a. der Maler Gustav Klimt den Hof.
Almas Schulausbildung war eher unsystematisch, doch ihre musikalische Ausbildung war sehr gründlich. Sie erhielt Klavierunterricht und später auch Unterricht im Komponieren. Mit ihrem Lehrer, dem Komponisten Alexander von Zemlinsky, hatte sie eine kurze Affäre. Sie selbst komponierte Lieder, Instrumentalstücke und auch den Beginn einer Oper. Ihr künstlerisches Schaffens nahm allerdings ein jähes Ende, als die den 20 Jahre älteren Komponisten und gefeierten Dirigenten der Wiener Hofoper Gustav Mahler 1902 heiratete.
Dieser machte gleich zu Beginn ihrer Ehe deutlich: „Die Rolle des Komponisten ... fällt mir zu, - Deine ist die der liebenden Gefährtin…!“ Alma fügte sich in ihr Schicksal und begnügte sich damit, Ehefrau und Mutter zu sein. Der Tod ihrer Tochter Maria erschütterte das Verhältnis der Eheleute von Grund auf und Alma wandte sich anderen Männern zu.
Nach dem Tod Mahlers 1911 ging sie eine leidenschaftliche Affäre mit dem Maler Oskar Kokoschka ein. Ihr Ruf in Wien litt erheblich unter ihren zahlreichen Männergeschichten. Sie wurde als machthungrig beschrieben und galt als Femme Fatale.
1915 trennte Alma sich von Kokoschka und flüchtete in eine Ehe mit dem Architekten Walter Gropius, die allerdings auch nicht von Dauer war. 1920 ließen sich die beiden scheiden und Alma lebte nun mit dem Schriftsteller Franz Werfel zusammen. Den elf Jahre jüngeren Dichter verhalf sie zu einer stabileren Lebensweise und wirkte positiv auf sein künstlerisches Schaffen ein. Trotz teils erheblicher Krisen heirateten die beiden 1929. Da Franz Werfel Jude war, musste das Paar 1940 in die USA emigrieren.
Sie lebten zunächst in New York, dann kauften sie sich in Kalifornien ein Haus, führten ein unstetes Leben. Werfel brachte einige Werke heraus, mal mit mal ohne Erfolg. Er erkrankte sehr schwer und hatte mehrere Herzanfälle. 1945 erlag er einem weiteren Herzanfall.
Alma Mahler-Werfel lebte ihre letzten Jahre als 'große' Witwe. Wie sehr sie im kulturellen Leben verhaftet war, verdeutlichte ein Geschenk, das sie zum 70. Geburtstag erhielt. Ein befreundetes Ehepaar hatte Monate vor dem Geburtstag Bekannte und Freunde von Alma angeschrieben und sie gebeten, jeweils ein Blatt Papier zu gestalten. Zu den 77 Gratulanten, die auf diese Weise ihre Glückwünsche überbrachten, zählten unter anderem Heinrich und Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Lion Feuchtwanger, Benjamin Britten und Igor Strawinsky.
1964 starb sie 85jährig in New York.
Alma Mahler-Werfel sah sich selbst weniger als Künstlerin, denn als Muse für verschiedene bedeutende Künstler. (Von ihren Werken sind nur 17 Lieder erhalten). So schrieb sie in ihren Erinnerungen: „Gott vergönnte mir, die genialen Werke unserer Zeit zu kennen, ehe sie die Hände ihrer Schöpfer verließen. Und wenn ich für eine Weile die Steigbügel dieser Ritter des Lichts halten durfte, so ist mein Dasein gerechtfertigt und gesegnet.“                         





                                                                                              

Montag, 2. Juli 2012

Klassik: Sol Gabetta



Sol Gabetta ist eine argentinische Cellistin. Sie wurde 1981 in Villa Maria geboren. Sie ist die Tochter französisch-russischer Eltern und überraschte schon als Kind mit ihrem musikalischen Talent. So sang sie bei der Aufnahmeprüfung für einen musikalischen Kindergarten zur Überraschung der Jury die Melodie des a-Moll-Violinkonzerts von Antonio Vivaldi.
Bereits als Zehnjährige gewann sie einen ersten Wettbewerb in Argentinien und erhielt seitdem verschiedene Auszeichnungen, unter anderem beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau, den Natalia-Gutmann-Preis.
Sol Gabetta studierte 10 Jahre lang beim Cellisten Ivan Monighetti in Madrid und Basel. Anschließend absolvierte sie ein Solistenstudium bei Professor David Geringas an der Hanns Eisler Musikhochschule in Berlin, das sie 2006 beendete. Seit Herbst 2005 hat sie eine Assistenz-Professur an der Musikhochschule Basel inne.
Ihre internationale Karriere begann im Jahre 2004, als sie den renommierten «Crédit Suisse Young Artists-Award» gewann, eine der höchst dotierten Auszeichnungen für junge Musikerinnen und Musiker. Die Preisträgerkonzerte im Herbst 2004 mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Valery Gergiev öffneten Sol Gabetta verschiedene große Türen in die Musikwelt.
Ihre Debüt-Album mit Werken von Tschaikowski, Saint-Saëns und Ginastera wurde im Herbst 2007 mit einem ECHO ausgezeichnet. Einen weiteren Echo erhielt die Cellistin für ihre Live-Aufnahme mit den Münchner Philharmonikern und Schostakowitschs 2. Cellokonzert im Herbst 2009. Weitere Aufnahmen erschienen mit Vivaldis Cellokonzerten mit den Sonatori della Gioioso Marca (2007) auf Barockcello und klassischen Cellokonzerten von Haydn, Leopold Hofmann und einem Arrangement eines Mozart-Flötenkonzertes (2009). Sämtliche bisher erschienenen Aufnahmen landeten auf Anhieb in den deutschen Klassik-Charts, letztere sogar als Nr. 1 in den Monaten September und Oktober 2009.
Das traditionelle Solo-Repertoire mit Werken von Dvorak, Tschaikowski, Schostakowitsch, Elgar und Haydn ergänzt Sol Gabetta kontinuierlich mit Werken aus dem 20. Jahrhundert, sei dies das Cellokonzert von Bohuslav Martinu oder jenes von Samuel Barber, Werke, die sie im Jahre 2009 und 2010 neu einstudierte und auf Tourneen aufgeführt hat. Ein großes Anliegen ist ihr die Zusammenarbeit mit Komponisten, die für sie Werke schreiben oder deren Werke sie einstudiert und aufführt. Eine enge Zusammenarbeit pflegt sie mit dem lettischen Komponisten Peteris Vasks, dessen Werk Das Buch sie regelmäßig aufführt.
Besonders am Herzen liegen der Musikerin ihre eigenen Projekte. Seit dem Juni 2006 veranstaltet sie das Solsberg-Festival in ihrer Schweizer Wahlheimat. Zu diesem Kammermusikfestival lädt sie ihr nahe stehende Musiker ein und zelebriert in 8 bis 10 Konzerten die Kammermusik in allen Farben. Ein weiteres Eigenprojekt ist die „Cappella Gabetta“. Dieses Barockorchester ging mit der Cellistin im Dezember 2010 das erste Mal auf eine Tournee mit Musik von Vivaldi und Zeitgenossen und wird von Sol Gabettas Bruder, dem Violinisten Andrés Gabetta vom Konzertmeisterpult angeführt.
Dank eines großzügigen privaten Stipendiums des Rahn-Kulturfonds spielt die Künstlerin eines der seltenen und kostbaren Violoncellos von G.B. Guadagnini von 1759. 








                                                               

                                                                  
                                                                                                               

Freitag, 25. Mai 2012

Musikgeschichte: Cécile Chaminade



Cécile Chaminade war eine französische Pianistin und Komponistin. Sie wurde 1857 in Paris als drittes von vier Kindern einer wohlhabenden bürgerlichen Familie geboren. Gefördert von ihrer Mutter, einer Sängerin und Pianistin, zeigte sich schon früh ihre musikalische Begabung. Mit acht Jahren komponierte sie ihre ersten Stücke und trotz der ausdrücklichen Missbilligung ihres Vaters, gab sie mit 18 Jahren ihr erstes Konzert.
Cécile Chaminade verfolgte ihre Karriere als Komponistin und Pianistin, indem sie ihre Werke im In- und Ausland selbst aufführte. Ihr Name war regelmäßig auf Konzertprogrammen auf dem europäischen Festland, in Großbritannien und den USA zu lesen. Sie schrieb hauptsächlich Charakterstücke für Klavier und Salonlieder, die fast alle auch veröffentlicht wurden. 1882 wurde ihre einaktige komische Oper La Sévillane op. 10 uraufgeführt. Sie trat besonders gerne in England auf und wurde zu einem Lieblingsgast der Königin Victoria. Um 1900 wurden Fanclubs in den USA gegründet, und 1908 spielte sie innerhalb von drei Monaten in zwölf US-Städten. 1913 wurde sie als erste Komponistin überhaupt in die französische Ehrenlegion aufgenommen.
Was Ehe und Familie betraf, hatte Cécile Chaminade für die damalige Zeit ungewöhnliche Anschauungen: „Es ist schwierig, das häusliche Leben mit dem künstlerischen zu vereinbaren”, stellte die Musikerin einmal fest. Lange Zeit hatte sie allein gelebt und erklärt: „Meine Liebe gehört der Musik, ich bin ihre Priesterin, ihre Vestalin“. 1901 heiratete sie schließlich den zwanzig Jahre älteren Musikverleger Louis-Mathieu Carbonel. Sie behielt aber ihren Namen und legte in einer Art Ehevertrag fest, dass sie auch weiterhin die alleinigen Rechte an ihrem Besitz und Einkommen behielt. „Wenn eine begabte Frau einen Mann heiratet, der die Künstlerin in ihr achtet, kann eine solche Ehe beiden Glück bringen“. Die Ehe endete wenige Jahre später unerwartet mit dem Tod Carbonels.
Nach zahlreichen Konzert-Tourneen, auf denen Cécile Chaminade wie ein Star gefeiert worden war, starb 1912 mit über 80 Jahren ihre Mutter, die sie ihr Leben lang auf ihren Reisen begleitet hatte. Nach und nach nahmen ihre kreativen Aktivitäten ab. Während des Ersten Weltkriegs kümmerte sie sich als Leiterin eines Genesungsheims fast ausschließlich um kranke Soldaten. In den 1920er Jahren wurde ihr Gesundheitszustand zunehmend schlechter. 1936 zog Cécile Chaminade nach Monte Carlo, um ihren Lebensabend dort zu verbringen. Zwei Jahre später musste ihr linker Fuß amputiert werden. Während der folgenden Jahre fühlte sie sich oft einsam, in einem Brief spricht sie die Hoffnung aus, „nicht vergessen zu werden, in den Herzen und Erinnerungen derer weiterzuleben, die einen verstehen“ – das sei der größte Trost für einen Künstler –, und sie dankte allen, die sich an sie erinnern mögen.
1944 starb Cécile Chaminade in Monte Carlo. Nach ihrem Tod 1944 umfasste ihr Werk rund 400 Kompositionen, die fast alle im Druck erschienen sind.
Cécile Chaminades Stücke sind in den letzten Jahren wieder vermehrt auf Konzertprogrammen zu entdecken. Viele KünstlerInnen, hauptsächlich PianistInnen und SängerInnen nehmen sich ihrer Musik an. Dies könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass das noch im 19. Jahrhundert als Kitsch bezeichnete Genre der Salonmusik im Allgemeinen historisch aufgewertet wurde. Zahlreiche Ensembles und einzelne Künstler lassen diese Musik, in deren Tradition auch Cécile Chaminades Stücke verwurzelt sind, wieder aufleben. Namhafte Künstler wie der Pianist Eric Parkin, die Mezzosopranistin Anne Sophie von Otter oder der Flötist James Galway haben hervorragende Einspielungen der Werke Chaminades vorgelegt.





                                               






                                                        



                                                         

Donnerstag, 10. Mai 2012

Klassik: Anne-Sophie Mutter



Anne-Sophie Mutter ist eine deutsche Geigerin. Sie wurde 1963 in Rheinfelden geboren. Schon als Kind wusste Anne-Sophie, was sie wollte. Das jüngste Kind und die einzige Tochter von Gerlinde Mutter und dem Journalisten und Zeitungsherausgeber Karl-Wilhelm Mutter verliebte sich mit fünf Jahren in die Geige, als sie eine Mozart-Aufnahme von Menuhin hörte. Sie überzeugte ihre Eltern, dass sie statt des geplanten Klavierunterrichts Violinstunden bekommen sollte und gewann schon im nächsten Jahr den nationalen Wettbewerb für junge MusikerInnen von 6 bis 24 Jahren, “Jugend Musiziert”. Unter den SiegerInnen war sie in der Geschichte dieses Wettbewerbs die aller jüngste überhaupt. (Da sie im nächsten Jahr wieder gewann, wurde sie gebeten, nicht mehr am Wettbewerb teilzunehmen.) Trotz vieler Einladungen begrenzte Anne-Sophies Vater als ihr “Manager” die öffentlichen Auftritte des Mädchens auf einen bis zwei im Jahr. Die meisten ihrer Konzerte fanden zu Hause statt, mit ihren beiden Brüdern Christoph (Klavier) und Andreas (Viola). Die Mutter und PrivatlehrerInnen übernahmen ihre nicht-musikalische Erziehung.
Mit dreizehn wurde Anne-Sophie von Herbert von Karajan “entdeckt” und begann ihre internationale Karriere 1977 unter seiner Leitung als Solistin bei den Salzburger Pfingstkonzerten. Es folgten Konzerte in England, Berlin und Nordamerika, am Anfang nur fünf oder sechs im Jahr. Bald aber unternahm die Künstlerin Tourneen, mit 120 Aufführungen in einem Jahr und Debüt-Auftritten allein 1985 in Moskau, Japan, Toronto und Jerusalem.
Neben der Aufführung traditioneller Werke hat Anne-Sophie Mutters Begeisterung für zeitgenössische Musik hat das Violinrepertoire enorm bereichert: Sie gibt Werke in Auftrag, und Komponisten wie Lutoslawski und Penderecki widmeten ihr neue Kompositionen. Das für sie geschriebene Violinkonzert von André Previn spielte sie im März 2002 in Boston. Anne-Sophie Mutter wird nicht nur als Solistin, sondern auch als Kammermusikpartnerin gefeiert: 2002 machte sie zusammen mit dem Pianisten Lambert Orkis und dem Cellisten Lynn Harrell eine Trio-Tournee durch Deutschland und die Schweiz. Ihre zahlreichen Plattenaufnahmen gewannen viele Preise, darunter 2000 den “Grammy-Award for Chamber Music Performance” für die Live-Aufnahmen der Beethoven-Sonaten. Eine unter ihren vielen Auszeichnungen ist das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Der Weltstar setzt sich auch mit Leidenschaft für wohltätige Zwecke ein. 2008 errichtete die Künstlerin die „Anne-Sophie Mutter Stiftung“: Ziel der Stiftungsarbeit ist eine weitere Stärkung der weltweiten Förderung musikalischen Spitzennachwuchses, die sich die Geigerin seit 1997 mit der Gründung des "Freundeskreis der Anne-Sophie Mutter Stiftung e.V." zur Aufgabe gemacht hat. Wichtig ist für Anne-Sophie Mutter auch die Arbeit an medizinischen und sozialen Problemen unserer Zeit. Sie unterstützt diese Anliegen durch regelmäßige Benefizkonzerte. So spielt sie im Jahr 2012 beispielsweise für die „Stiftung Lichtblick Hasenbergl“, zugunsten der Sanierung der Staatsoper unter den Linden sowie die „Anne-Sophie Mutter Stiftung“.
2012 ist die Geigerin wieder unermüdlich in der ganzen Welt unterwegs. Sie spielt in Asien, Europa und den USA. Auch neues Repertoire ist mit dabei: Im Juli führt sie in Essen gemeinsam mit André Previn erstmals seine zweite Sonate für Violine und Piano auf. Die US-Premiere folgt kurz danach beim Tanglewood Sommerfestival, bei dem die Geigerin drei verschiedene Programme spielt – nach dem Recital mit André Previn folgt ein Abend mit Mozart Violinkonzerten und beim dritten Konzert spielt sie Sarasates Carmen Fantasie.
Seit über 35 Jahren gehört Anne-Sophie Mutter nun zu den größten Geigen-Virtuosen der Welt und es sieht nicht so aus als würde sie ihre Karriere in näherer Zukunft beenden. Gut so!












                                                              






                                               

                                                                              

Freitag, 27. April 2012

Musikgeschichte: Amy Beach



Amy Beach war eine amerikanische Komponistin und Pianistin. Sie wurde 1867 in Henniker/New Hampshire als Amy Marcy Cheney geboren. Sie galt schon früh als Wunderkind. Sie besaß das absolute Gehör und ein unfehlbares Gedächtnis. Als Einjährige sang sie Melodien nach, mit drei Jahren brachte sie sich das Lesen bei, und als Vierjährige komponierte sie ihre ersten Klavierstücke. Mit sieben Jahren debütierte sie als Pianistin. Schon als Kind wusste sie, dass für sie nur ein Leben als Musikerin in Frage kam. Ihre Doppelkarriere als Pianistin und Komponistin musste sie sich mühsam erkämpfen, denn ihre Eltern hielten nichts von einer Laufbahn als Berufsmusikerin.
Während ihrer Ehe mit dem 25 Jahre älteren Bostoner Arzt Dr. Beach beschränkte sie auf seinen Wunsch ihre Auftritte auf einen pro Jahr, verschenkte das Honorar an Wohltätigkeitsvereine und konzentrierte sich auf das Komponieren, das sie sich – wie auch das Orchestrieren – selbst beigebracht hatte, denn ein Studium bei professionellen Lehrkräften wurde ihr nicht gestattet. Ihre Kompositionen durfte sie veröffentlichen, aber nur unter ihrem neuen Namen: Mrs H.H.A. Beach. 1892 wurde ihre Es-dur-Messe in Boston uraufgeführt. Ihre Gaelische Sinfonie e-moll, die erste einer Amerikanerin überhaupt, erklang mit großem Erfolg vier Jahre später.
Nach dem Tod ihres Mannes (1910) nahm sie das Konzertieren wieder auf. Von 1911 bis 1914 war sie in Europa; sie trat als Pianistin auf und machte ihre Werke bekannt, jetzt unter dem Namen Amy Beach. Sie engagierte sich auch für die Belange der Frau, betonte den Wert einer umfassenden Bildung und forderte Musikerinnen auf, trotz Ehe und Mutterschaft weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Sie war Mitbegründerin und Vorsitzende der “Association of American Women Composers”.
1914 kehrte sie in die USA zurück und verbrachte einige Zeit in der MacDowell Colony in Peterborough in New Hampshire. Seit den 1920er Jahren lebte sie in New York und arbeitete an und für die St. Bartholomew's Church an der Park Avenue in Manhattan, der größten Episcopal-Gemeinde der Stadt. Diese Position musste sie 1940 wegen einer Herzkrankheit aufgeben, an der sie 1944 verstarb.
Amy Beachs Musikstil ist der Spätromantik zuzuordnen, doch verwendet sie auch oft Elemente aus der Eskimo-, amerikanisch-indianischen, schottischen und gaelischen Folklore. Die erste Amerikanerin, die als Komponistin sinfonischer Werke internationale Anerkennung errang, ist trotz des umfangreichen Werkverzeichnisses in allen Musikgattungen in Deutschland lange unbekannt geblieben. Seit etwa 15 Jahren erlebt sie auch in Europa eine Renaissance; mehr und mehr ihrer Werke sind auf CD oder im Internet greifbar.





                                                                
                                                                                    

Freitag, 6. April 2012

Musikgeschichte: Clara Schumann



Clara Schumann war eine deutsche Pianistin und Komponistin. Sie wurde 1819 in Leipzig als Clara Wieck geboren. Ihr Vater, der Musikpädagoge Friedrich Wieck, beschäftigte sich sehr mit der Erziehung seiner Kinder. Sein ganzes Augenmerk galt Clara, bei der er wegen ihres musikalischen Talents die Absicht verfolgte, sie so rasch wie möglich als Wunderkind und Klaviervirtuosin bekannt zu machen. So nahm er sie nach wenigen Jahren aus der öffentlichen Grundschule und ließ sie privat unterrichten, damit die Konzentration auf das Erlernen und Perfektionieren des Klavierspiels nicht durch äußere Einflüsse beeinträchtigt würde. Mit zehn Jahren hatte sie erste Auftritte. Sie spielte vor Goethe und traf Niccolò Paganini und Franz Liszt. Sie trat in jungen Jahren in zahlreichen Städten und auch im nahen Ausland auf. Immer an ihrer Seite – der übermächtige Vater, dessen Kontrollsucht beinahe tyrannische Züge annahm.
So war Friedrich Wieck auch entsetzt, als sich zwischen Clara und dem labilen, finanziell ungesicherten Komponisten Robert Schumann eine Romanze anbahnte. Er untersagte dem Liebespaar jeden Kontakt. Die Trennung erreichte Wieck zunächst dadurch, dass er Clara für zahlreiche Konzerttourneen verplante. Er überwachte sie fast rund um die Uhr; offensichtlich entzog er ihr sogar die Tinte, damit sie nicht schreiben konnte. Das Paar musste sich die Erlaubnis zur Heirat schließlich vor Gericht erstreiten. 1840 wurde die Ehe dann endlich geschlossen.
Im Haus der Schumanns gingen Personen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Hans Christian Andersen und Franz Liszt ein und aus und man veranstaltete Konzerte und Lesungen im Konzertsaal. Die Ehe bot Clara Schumann endlich die Gelegenheit, die unter dem väterlichen Regime vernachlässigte allgemeine geistige Bildung nachzuholen. Sie las Goethe, Shakespeare und Jean Paul und studierte intensiver als bisher neben den Werken ihres Mannes Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin. Auf Drängen ihres Mannes, der sie an seiner Seite haben wollte, schränkte sie ihre Konzerttätigkeit ein. Er unterstützte jedoch ihr Talent zu komponieren. Allerdings versuchte er, Einfluss auf ihre Kompositionen zu nehmen.
In 13 Jahren bekam Clara Schumann neun Kinder, die aber außer Haus aufwuchsen. Ihr Mann wurde nach ersten Krankheitssymptomen 1854 in eine Heilanstalt überführt, wo er 1856 starb.
Über ihre Beziehung zu dem vierzehn Jahre jüngeren Johannes Brahms verriet Clara selbst kaum etwas. Sie scheute die Öffentlichkeit und wollte der Gerüchteküche keinen Stoff liefern. So wurde der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden vernichtet. Clara wollte sich selbst als große Künstlerin sehen und als Liebende – aber nur in Verbindung mit ihrem Mann Robert Schumann. Brahms hatte das Nachsehen.
Nach dem Tod ihres Mannes konzentrierte sich Clara Schumann auf ihre Karriere als Pianistin. Sie unternahm erfolgreiche Konzertreisen in zahlreiche Städte Deutschlands und Europas und blieb bis zu ihrem Tode eine überall gefeierte Pianistin. Im Jahr 1878 wurde sie zur „Ersten Klavierlehrerin“ des neu gegründeten Dr. Hoch’s Konservatoriums in Frankfurt am Main berufen. Sie betätigte sich als Herausgeberin der Werke von Robert Schumann und veröffentlichte eine Reihe seiner Schriften. Ihr letztes Konzert gab sie am 12. März 1891 im Alter von 71 Jahren. Am 26. März 1896 erlitt Clara einen Schlaganfall und starb wenige Monate später im Alter von 76 Jahren. Ihrem Wunsche gemäß wurde sie in Bonn auf dem Alten Friedhof neben ihrem Mann beigesetzt.





                                                          


                                                                                         

Dienstag, 27. März 2012

Klassik: Marie-Claire Alain



Nachdem auf meinem Blog die klassische Musik bisher nicht vertreten war, habe ich mich entschlossen dies zu ändern. Es gibt so viele wunderbare Musikerinnen in diesem Bereich, dass ich auch ihnen einen Platz einräumen möchte - in der neuen Rubrik Klassik.

Marie-Claire Alain ist eine französische Organistin und Musikpädagogin. Sie wurde 1926 in Saint-Germain-en-Laye geboren. „Ich komme aus einer musikalischen Familie, wir haben praktisch jeden Abens Bach gespielt, auf der Orgel, Kantaten gesungen – Bach war bei uns fast wie eine Familienkrankheit.“ (Marie-Claire Alain im Interview mit The Organ)
Die französische Familie Alain kann beinahe als Pendant des 20.Jahrhunderts zur Bach-Familie gelten. Der Vater, Albert Alain (1880-1971), war Komponist, wie auch Marie-Claires Brüder Olivier (gest. 1994) und Jehan (1911-1940), dessen gesamtes Werk für Orgel Marie-Claire Alain auf einer Doppel-CD einspielte. Jehan war es auch, der seiner kleinen Schwester das Spiel auf der, vom Vater selbstgebauten Orgel, beibrachte.
Marie-Claire Alain studierte am Conservatoire de Paris in der Orgelklasse von Marcel Dupré, sowie Klavier bei Yves Nat, der ihr zu Orgel riet, da sie „Organistenhände“ habe. Sie schloss ihre Studien mit mehreren "ersten Preisen" ab.
Als Konzertorganistin spielte sie weltweit mehr als 2.000 Konzerte. Ihre über 260 Einspielungen umfassen Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, Johann Pachelbel, Felix Mendelssohn Bartholdy, sowie die Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel, Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Vivaldi. Darunter sind viele Gesamteinspielungen. Die gesamten Orgelwerke Johann Sebastian Bachs spielte sie allein dreimal ein.
Die internationale Fachpresse rühmte ihr technisch brillantes und musikalisch glasklares Orgelspiel, zudem ihre superbe Registrierkunst wie die stilistische Mustergültigkeit ihrer zutiefst berührenden Interpretationen.
Dieser internationale Ruhm und ihre Position als langjährige Leiterin des Fachbereichs Orgel am Conservatoire National de Région de Paris begründen ihre ungewöhnliche Beliebtheit als allseits anerkannte Orgelpädagogin.
Heute gilt Marie-Claire Alain als "Königin der Orgel", vielfach geehrt und mit zahlreichen Schallplattenpreisen ausgezeichnet. In Saint-Germain-en-Laye betreute sie noch bis ins hohe Alter sonntäglich zwei Messen als Organistin. Inzwischen hat sie sich aus dem aktiven Musikerinnen-Leben zurückgezogen.


              



                                                            

                                                                      

Samstag, 10. März 2012

Musikgeschichte: Ethel Smyth



Ich habe beschlossen, eine neue Rubrik in meinem Blog zu eröffnen, nämlich Musikgeschichte. Ich habe schon viel über Musikerinnen aus unserer Zeit geschrieben und jetzt möchte ich ab und zu Frauen vorstellen, die in der Vergangenheit mit Musik zu tun hatten. Ich finde, es schadet nicht, wenn man diese Frauen wieder ein wenig ins Licht stellt, im Dunkeln waren sie lange genug.
Den Anfang macht heute Ethel Smyth. Die englische Komponistin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin wurde 1858 in Kent geboren. Sie wuchs in einem bürgerlich viktorianischen Elternhaus auf. Ihre Entscheidung, nach Leipzig zu gehen, um am dortigen Konservatorium Komposition zu studieren, konnte sie erst nach langen Kämpfen mit ihren Eltern durchsetzen. 1877 kam sie nach Leipzig, wo sie jedoch bald vom Unterrichtsniveau am Konservatorium enttäuscht war. Sie ging bereits ein Jahr später als Privatschülerin zu Heinrich von Herzogenberg, zu dessen Frau Elisabeth bald eine enge Freundschaft entstand. Durch den Musiksalon von Elisabeth von Herzogenberg lernte Ethel Smyth wichtige Persönlichkeiten des europäischen Musiklebens kennen, darunter Johannes Brahms, Clara Schumann und Edvard Grieg.
Bis 1887 komponierte sie ausschließlich Kammermusik, erst Peter Tschaikowsky riet ihr, ihre Aufmerksamkeit dem Orchester zuzuwenden, ein Wendepunkt ihrer Karriere. Ihre ersten Werke für größere Besetzung, zu denen die Serenade in D sowie ihre Mass in D zählen, mündeten 1894 in der Fertigstellung ihrer ersten Oper Fantasio. Bis 1924 komponierte sie sechs Opern, wobei The Wreckers als ihr Hauptwerk gilt.
Zeit ihres Leben hatte Ethel Smyth mit Vorurteilen gegenüber einer weiblichen Komponistin zu kämpfen. Sie musste hart um jede Aufführung ihrer Opern ringen und das tat sie mit vollem Einsatz. Ethel Smyth sei vom Stamm der Pioniere gewesen, die Felsen gesprengt und den Weg geebnet hätten für diejenigen, die nach ihnen gekommen seien, meinte Virginia Woolf Jahre später über ihre enge Freundin. Die Komponistin selbst spürte sehr deutlich den Gegenwind, der ihr als Frau ins Gesicht schlug. Doch ihr Bewusstsein für die systematische Unterdrückung der Frau erwachte erst, als sie 1910 Emmeline Pankhurst kennenlernte, die Anführerin der Suffragettenbewegung (die englische Bewegung für das Frauenwahlrecht). Leidenschaftlich begann sich Ethel während der folgenden Jahre in der Bewegung zu engagieren. Sie wurde enge Freundin und Mitstreiterin Pankhursts. Sie komponierte die Hymne der Frauenbewegung, den March of the Women, der fortan auf den Protestmärschen der Frauen durch die Londoner Innenstadt gesungen wurde.
Während einer Ägypten-Reise 1913 machte sich ihr Ohrenleiden erstmals bemerkbar, das bis zur völligen Ertaubung (1939) fortschreiten sollte.
Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Ethel Smyth als Röntgenassistentin in einem französischen Militärhospital in der Nähe von Vichy. In dieser Zeit widmete sie sich erstmals intensiv der Schriftstellerei. Zuvor hatte sie bereits häufig Artikel und Essays für verschiedene englische Zeitungen verfasst. Ihre schriftstellerische Tätigkeit rückte immer stärker in den Vordergrund, nicht zuletzt wegen des sich verschlechternden Gehörs. An Kompositionen entstanden dennoch das Konzert für Violine, Horn und Orchester (1927), The Prison, eine Vokalsymphonie, sowie kleinere Werke.
1910 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der University of Durham, 1926 diejenige der Oxford University. 1922 wurde Ethel Smyth zur Dame Commander of the Order of the British Empire ernannt.
In ihren letzten Lebensjahren verliebte sie sich stürmisch in die 24 Jahre jüngere Virginia Woolf, der sie jahrelang fast täglich schrieb. Mit ihrem Ästhetizismus und ihrer Hypersensibilität war Woolf das Gegenteil von Smyth, für die das Überwinden von Widerständen, die kämpferische Auseinandersetzung und das Kennenlernen von Menschen zentrale Anliegen darstellten.
Ethel Smyth starb 1944 in Woking/Surrey. Ihre Musik geriet nach ihrem Tod bald in Vergessenheit. Seit den 1980er Jahren erfährt sie allerdings erneute Beachtung, viele ihrer Werke gibt es inzwischen auf CD.

Ethel Smyth war eine Frau, die auf vielen Ebenen ihrer Zeit voraus war: als Frauenrechtlerin, als erfolgreich berufstätige Frau in einem von Männern dominierten Metier, als Opernkomponistin und als Frau, die ihre homosexuellen Neigungen in ihren Schriften offen artikulierte. Sie war eine Wegbereiterin für nachkommende Künstlerinnen und verdient ohne Zweifel mehr öffentliche Beachtung.